Lostboy! AKA

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Jim Kerr auf Solopfaden

Erstes Soloalbum des Simple Minds-Frontmanns nach 30 Jahren. Es ist eine der größten Überraschungen des Jahres: Nach über 30 Jahren im Dienste der Simple Minds, einer der er folgreichsten Rock- und Popbands Großbritanniens, veröffentlicht Sänger und Frontmann Jim Kerr am 17. Mai sein erstes Soloalbum Lostboy! AKA Jim Kerr. Bereits zwei Wochen vorher erscheint die Singleauskoppelung Shadowlands. Im Anschluss tourt Jim Kerr mit neu zusammengestellter Band durch Europa.

Um den seit mehr als drei Jahrzehnten währenden Erfolg der Simple Minds in Worte zu fassen, genügen einige Zahlen: Die Gruppe aus Glasgow blickt zurück auf mehr als 40 Millionen verkaufte Tonträger und neun Alben, die es in England bis in die Top 10 schafften, fünf davon bis auf die Spitzenposition. Ihre Tourneen sind regelmäßig ausverkauft, so auch die letzte, im Herbst 2009 absolvierte Konzertreise zum aktuellen Album Graffiti Soul. Die Simple Minds zählen neben U2 und Depeche Mode zu den erfolgreichsten aktiven Bands des Vereinigten Königreichs. Ein Ende ist nicht in Sicht. Und doch findet ihr Frontmann Jim Kerr immer wieder Zeit, sich eigenen Interessen abseits seiner Hauptband zu widmen. Der charismatische und bemerkenswert erdverbundene Sänger ist nicht nur begeisterter Familienvater und Unterstützer der englischen Rock-Subkultur. Neben der Musik hat er auch seine anderen Hobbys zum Beruf gemacht: Seit 2003 ist er Hotelier auf Sizilien mit seiner höchst individuell gestalteten Villa Angela. Außerdem ist er Besitzer und Manager des Fußballclubs AC Celtic Taormina.

IMG_8929Jetzt veröffentlicht Jim Kerr zum ersten Mal in seiner über 30-jährigen Karriere ein Soloalbum unter dem Pseudonym Lostboy!. Kerr erklärt den Namen sowie die Idee hinter seiner Soloarbeit wie folgt: „Irgendwie entwickelte ich in den letzten Monaten eine tiefe Verbindung zu dem jungen Mann, der ich zwischen 17 und 23 war – seine Auffassungen, sein Antrieb und seine Begeisterung. Es war enorm befreiend, sich mit der Energie und Offenheit des jungen Jim auseinanderzusetzen, den ich glaubte verloren zu haben. Ich stellte mir vor, welche Songs er heute wohl schreiben würde. Lostboy! ist das Ergebnis dieser Neugierde.“

So schloss sich Jim Kerr mit befreundeten Musikern in seinem Studio in Glasgow ein, um das gleichnamige Solo-Debüt einzuspielen. Er bekam Hilfe von Charlie Jones (Bass, ex-Page & Plant, ex-Goldfrapp), Simple Minds-Drummer Mel Gaynor sowie Jez Coad, der neben den Gitarren und Keyboards auch die Produktion betreute und gemeinsam mit Kerr die meisten Songs komponierte. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit trägt eindeutig die typischen Markenzeichen der Simple Minds, er weist sich stilistisch aber deutlich offener und verspielter.

Auf seine Hauptband wird Jim Kerrs Solo-Ausflug keine Auswirkungen haben: „Ich bin überzeugt, dass sich beide musikalischen Säulen eher ergänzen und gegenseitig befruchten, als dass sie sich behindern.“

So wird er auf der ersten Lostboy!-Tournee ein ganz besonderes Bonbon für Simple Minds-Fans bereithalten: Erstmals überhaupt wird Jim Kerr einige Songs des Simple Minds-Debütalbums Life In A Day von 1979 live performen!

Du bist gerade sehr mit der Promo für Dein Soloalbum beschäftigt. Unterscheidet sich die Termine sehr von Simple Minds Promotions und wie sind die Reaktionen bis jetzt

Es ist schon etwas anderes, weil auch einfach eine andere Geschichte dahinter steckt. Natürlich wollen die Leute auch mit mir über Simple Minds reden. Die Reaktionen sind zu einhundert Prozent positiv, was mich sehr freut und noch mehr anspornt.

IMG_8963Auf simpleminds.com führst Du ein regelmäßiges Tagebuch. Für LOSTBOY AKA hast Du Dir eine Seite auf Facebook eingerichtet, auf der Du fast täglich etwas schreibst. Ich war früher froh mal ein Interview von Simple Minds im Fernsehen zu finden, jetzt erfahre ich fsat täglich, was Jim Kerr gerade macht.

Da hat sich tatsächlich viel geändert. Aber ich genieße das. Auf der einen Seite kann ich meinen Enthusiasmus z.B. für das neue Projekt mit den Fans teilen und auf der anderen Seite bekomme ich auch direktes Feedback, was mich dann noch mehr anspornt. So funktioniert das in beide Richtungen.

Peter Gabriel hat mal gesagt, dass sich ein Musiker nicht an der Vergangenheit orientieren soll. Mit LOSBOY AKA hast Du das zumindest musikalisch getan. Gleichzeitig feiern Deine ehemaligen Bandkollegen als Ex-Simple Minds wieder mal die alten Zeiten. Werdert ihr auf die alten Tage sentimental?

Zu unserem 30-jährigem Jubiläum war es sicher ein guter Zeitpunkt auch mal zurückzublicken. Nostalgie spielt sicherlich auch eine Rolle. Aber wir haben mit Simple Minds auch in dieser Zeit mit “Grafitti Soul” ein neues Album geschrieben und nach vorne geschaut.

Ich hab mich schon gewundert, als ich gelesen habe, dass Du ein Soloalbum aufgenommen hast. Ich finde auch, dass sich die beiden Previews „Shadowland“ und „Refugee“ nahtlos in ein erfolgreiches Simple Minds Album packen ließen. Warum machst Du es solo?

„Refugee“ ist eher kein Simple Minds Titel, aber bei „Shadowland“ würde ich zustimmen. Ich mache dieses Soloprojekt, weil ich es einfach mein Leben ist, Musik zu schreiben und live zu spielen. Da zwischen Simple Minds Alben immer einige Zeit vergeht, nutze ich diese Pausen um das zu machen, was mir am meisten Freude bereitet. Das ist besser als den ganzen Tag am Stran zu sitzen.

Wurden eigentlich alle Songs auf dem Album neu geschrieben oder hattest Du sie schon länger im Kopf?

Die meisten waren neu. Nur ein bis zwei Songs hatte ich noch in der Schublade.

In einem anderen Interview hast Du versprochen, dass es ein paar ganz frühe Simple Minds Schätzchen zu hören gibt. Kannst Du uns schon mal was verraten?

Nein. Das ist geheim. Da musst Du schon auf unser Konzert kommen.

Kennst Du eigentlich noch alle Texte? Hast Du ein Textbuch oder etwas ähnliches? In 30 Jahren kommt sicherlich einiges zusammen.

In der Tat. Ein Textbuch hab ich nicht. Oftmals muss ich die alten Texte auf den Webseiten nachschlagen, wie jeder andere auch.

Ist LOSTBOY AKA ein einmaliges Abenteuer, oder wird es eine Fortsetzung geben?

Wir haben schon mit dem zweiten Album angefangen, gleichzeitig fangen wir bald mit der nächsten Simple Minds Scheibe an.

Wann wird es ein Soloalbum mit Charlie Burchill geben?

Da musst Du ihn selbst fragen.

Interview Markus Brixius Bild: edel.com/ Markus Brixius

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