Arch Enemy

Interview mit Angela Gossow

Archenemy (4)Ende 2000 stieg die aus Köln stammende Sängerin Angela Gossow bei der schwedischen Death Metal-Band Arch Enemy ein. Als es darum ging, einen Ersatz für den ausgestiegenen Sänger Johan Liiva zu finden, hatte sich der Kopf der Band, Michael Amott, tatsächlich noch an ein Video erinnert, dass Gossow ihm einige Zeit zuvor überreicht hatte.

Die 37-Jährige zaubert für Arch Enemy nicht nur unglaubliche Töne aus den tiefsten Tiefen ihres Rachens hervor, seit 2008 ist sie auch die Managerin der Band.

Wie überrascht warst Du, als Du aus heiterem Himmel zum Vorsingen bei Arch Enemy eingeladen wurdest?

Ich war Fan der Band und hatte sie schon ein, zwei Mal mit Liiva live gesehen. Ich war baff, dass sie sich überhaupt noch an diese alte VHS-Kassette erinnert und sich diese angesehen hatten. Sie lag schon zwei Jahre bei ihnen rum. Überraschend war auch, dass sie sich für eine Sängerin interessierten. Das war damals ungewöhnlich in der Metal-Szene. Ich fuhr mit dem Gedanken zum Vorsingen, danach gleich wieder nach Köln zurückzukehren und weiter zu studieren. Es war völlig surreal. Letztlich sind die Dinge ganz anders gekommen.

Archenemy (5)War es Dein Bestreben, eine tiefe, männliche Stimme zu haben?

Ja, ich wollte als Frau so singen wie David Vincent von Morbid Angel oder Chuck Schuldinger von Death. Ich hatte lange probiert bis ich mit meiner Stimme zufrieden war. Anfangs tat es sehr weh, weil ich alles falsch machte. Ich brauchte Zeit, die richtige Stimmbandstellung und Atemtechnik zu finden.

Es gibt kaum Frauen mit extremen Stimmlagen. Siehst Du Dich daher in einer Vorreiterrolle?

So habe ich mich nie gesehen. Es ist aber automatisch passiert. Gerade jüngere Sängerinnen kommen über mich zu einer Metal-Band. Sie nehmen mich als Vorbild. Ich hoffe, dass ich für all diejenigen eine sehr positive Rolle spiele. Ich bin generell sehr offen und gebe auf meiner Website Tipps, wie man richtig singt und sich am besten darstellt. Ich versuche, diese Rolle zu nutzen, um den Leuten etwas Positives mitzugeben.

Bekommst Du mittlerweile viel Anerkennung in der Metal-Szene oder musst Du noch gegen Vorurteile und Vorverurteilungen ankämpfen?

Sowohl als auch. Es gibt viel Anerkennung - auch für kleine Dinge. Und ich habe einen Exotenbonus bzw. eine Sonderstellung. Gleichzeitig muss ich mir viele dumme Sprüche anhören. Ich werde teils für Dinge kritisiert, die überhaupt nichts mit der Materie zu tun haben. Ich hoffe, dass es die Generation Sängerinnen nach mir leichter haben wird. Letztlich ist die Metal-Szene ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Du lebst seit langem in Schweden, aber den kölnischen Dialekt hast Du Dir bewahrt.

Natürlich. Ich bin ein rheinisches Mädchen. Davon ab ziehe ich nächstes Jahr wieder nach Köln. Ich vermisse meine Familie. Blut ist eben dicker als Wasser.

Text: Peter Parker Bild: Band

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