Sonic Visions: Virginie Berger

Don’t believe the Hype

Virginie-BergerVirginie Berger ist schon seit 12 Jahren erfolgreich im Medien- und Musik Business unterwegs, unter anderem ehemals als Marketing und Content Chefin bei MySpace Frankreich. Mittlerweile hat Virgine DBTH gegründet, ein Management-Unternehmen für Künstler und die Musik-Industrie. Darüber hinaus ist sie Buchautorin und eine begehrte Referentin. Auf ihrer Webseite widmet sich Virgine in der Kolumne "Don't believe the Hype" ebenfalls der Musik und teilt ihre Erfahrungen mit Bands, Musikern und Künstlern. Während der Sonic Visions Conference 2011 hatte Virgine Berger über Strategien des digitalen Vertriebs gesprochen.
Virginie, kannst Du Dich und Deine Arbeit kurz vorstellen?
Ich habe den Blog 2009 eingerichtet, nachdem ich mich von MySpace getrennt hatte. Dort war ich Marketingdirektorin. Ich habe diesen Blog eingerichtet, weil ich nirgends Marketinginformationen über Musik gefunden habe, die mich interessiert haben. Ursprünglich wurde der Blog auf „Tumblr“ eingerichtet. Das Ziel war dabei lediglich Musiker über alle möglichen vorhandenen Arten von Konzepten zu informieren. Der Blog gewann allerdings immer mehr und mehr an Bedeutung. 2010 habe ich eine Agentur für Musikkonzepte gegründet. 2011 habe ich gerade erst eine Konzeptagentur für Künstler und die kreative Industrie aufgemacht. Innerhalb von zwei Jahren sind wir von einer Agentur zu einem Blog geworden. Das Buch wurde im Mai 2010, nein, entschuldigen Sie, im Mai 2011 bei IRMA veröffentlicht und es handelt von digitalen Konzepten und Musik.
Wenn eine Band durchstarten oder zumindest sich weiterentwickeln möchte, welche Tipps würdest Du Ihr in Sachen Kommunikations- und Marketingfragen geben?
Erst einmal sollte man im Voraus genau darüber nachdenken, was man machen muss. Nicht eine Musikkarriere irgendwie starten. Nichts anfangen ohne Inhalt. Die eigentliche Problematik besteht darin, dass man einfach irgendetwas ins Netz stellt, um dann mal zu schauen, was passiert. Das Netz ist aber wie das wirkliche Leben auch, man muss professionell sein und hier auch seine Professionalität unter Beweis stellen. Das bedeutet, dass man Inhalte hoch lädt die abgeschlossen, final sind, man eine finale Artwork postet, auf eine ausgefeilte Biographie stößt. Den Tipp, den ich hier also nur geben kann, ist erstens der, extrem professionell zu sein .Zweitens sollte man regelmäßigen Kontakt zu den Fans aufbauen. Auch Verantwortung zeigen und sich also nicht einfach auf alles, was es gibt, stürzen, sondern lediglich mit einigen wichtigen Netzwerken arbeiten.
Sind die sozialen Netzwerke, die individuellen Massenmedien im Internet für Dich ein Mittel, um in den Massenmedien anzukommen oder handelt es sich hier um etwas komplett anderes, das seine eigene Existenz und Autonomie hat?
Portrait-perso-Web8Beides. Das bedeutet, das Internet ist ein echtes Medium. Man kommt darum nicht herum. Man arbeitet mit dem Internet wie man mit dem Radio oder dem Fernsehen arbeitet. Nur, dass das Internet 2011 noch keinen Künstler „breaken“ kann. Wenn ich „breaken“ sage, dann meine ich, ihm zu erlauben, ohne Massenmedien internationalen Erfolg zu erlangen. Im Moment kann das das Internet noch nicht. Das wird sich aber sicher langsam entwickeln, denke ich, weil man heute immer mehr Musiker im Radio hört, die direkt aus dem Internet kommen und nicht vorher von Musikproduzenten geplagt worden sind. Das läuft also gerade. Man sollte das Internet also nicht als etwas sehen, das alleine lebt. Man muss damit so arbeiten wie man mit den Medien arbeitet, dem Radio, der Presse und dann kann das Internet auch erst für Bands, die sonst keine Möglichkeit haben, in Medien wie im Radio oder Fernsehen dargestellt zu werden, eine Alternative zu diesen Medien bieten.
Bist Du auch der Meinung, dass durch den einfacheren Zugang zur Musik, sei es durch illegale Downloads oder durch Streaming, das Mittel um bekannt zu werden, nicht stärker in den Vordergrund getreten ist als der eigentliche Wert der Musik?
Ja, das ist vollkommen richtig. Zunächst muss man über den Begriff „ Wert der Musik“ nachdenken. Was gibt uns die Musik? Ich glaube, es ist allgemein ein großes Problem, dass man nicht versteht, welche Arbeit ein Musiker neben der Musik noch hat. Die Tatsache, dass diese ganze Arbeit noch ein wichtiges Hilfsmittel zur Produktion benötigt . Die Musik kann also nicht kostenlos angeboten werden, denn das würde auch bedeuten, dass man die gute Entwicklung eines Künstlers leugnet. Bei diesem Thema kann man auch sehr schizophren argumentieren. Das bedeutet, man kann kostenlos angebotene Musik verwenden, um an Bekanntheit zu gewinnen und natürlich steckt der Wert dann in allem, was man um die Musik herum macht. Dadurch bietet man nicht nur seine Musik an, sondern man verleiht seiner Musik einen Wert. Tatsächlich bedeutet das also, lebendige Inhalte, exklusive Inhalte wie z.B. „Tumblr“-Inhalte anzubieten, seiner Musik etwas anderes hinzuzufügen.
imageWir haben während Ihres Diskussionsbeitrages gehört, wie wichtig es ist, mit seinen „ersten Fans“, aber auf jeden Fall mit seinen Zuhörern im Dialog zu stehen, mit ihnen zu sprechen. Ist das für eine Amateurband nicht gerade eine zusätzliche Schwierigkeit, wenn man davon ausgeht, dass es Leute sind, die arbeiten gehen, die natürlich proben müssen und dann noch Zeit aufbringen müssen, um Ihr Netzwerk zu unterhalten.
Ja, das ist ein wirkliches Problem für diese Bands, die das nicht anders handhaben können. Die Entwicklung der Musik, die Entwicklung des Marktes und die neuen Medien gehen aber diesen Trend und man kann nicht gegen diesen Strom schwimmen. Daraus entwickelt sich ein wirkliches Zeitproblem. Ich verstehe es, dass es viele Bands gibt, die nicht viel Zeit haben, weil sie arbeiten, weil, sie proben, weil sie Musik schreiben, aber leider kann man nicht einfach nichts tun, denn es sind alleine die Fans, die die Musik tragen und verbreiten können. Ja, es ist also ein echtes Problem. Ja, wir sind uns darüber alle bewusst, nur, es gibt leider keine Lösung für dieses Problem, außer der, es zu tun.
Interview: Thomas Hayot Bilder: privat Übersetzung: Melanie Schneider
www.virginieberger.com www.sonicvisions.lu

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