Von Genesis bis zur Offenbarung
Die internationale Karriere des englischen Gitarristen Steve Hackett begann schon 1977, als er Mitglied der Band Genesis wurde und mit seinem Instrument Maßstäbe setzte. 1977 verließ er die Gruppe, um sich künftig seinem bereits erfolgreichen Soloprojekt zu widmen. Aktuell hat Steve Hackett wieder ein neues Album am Start und befindet sich gerade auf Tour. Für saar-scene hat sich der Gitarrenmeister etwas Zeit genommen.
„Out of the Tunnel's Mouth“ ist der vielsagende Titel Deines aktuellen Albums. Sind besonders intensive persönliche Erfahrungen immer noch die beste Inspirationsquelle?
Klar. Persönliche Erfahrungen wirken sich auf jedes Album aus. Ich glaube das was man als persönlich empfindet eigentlich etwas sehr universelles ist. „Fire on the Moon“ ist der persönlichste Song, den ich je geschrieben habe, weil er beschreibt, was ich während meiner Scheidung empfunden habe. Wahrscheinlich haben andere ähnliches durchgemacht und fühlen sich dadurch angesprochen. Es gibt aber auch positive Inspiration. Reisen sind immer inspirierend, weil man unterwegs vielen erstaunlichen Dingen begegnet.
Für dieses Album hast Du mit vielen talentierten Musikern zusammengearbeitet. Einer davon ist ein anderer bekannter Prog-Rocker, Chris Squire (Yes), mit dem Du an einem anderen Projekt arbeitest, das derzeit noch (inoffiziell) Squackett genannt wird. Wie kam es dazu und wird man euch auch live sehen?
Chris und ich sind befreundet und haben uns das Projekt gemeinsam ausgedacht. Die Aufnahmen sind fertig und wir beschäftigen uns gerade mit dem geschäftlichen Teil. Live Konzerte sind derzeit nicht geplant, aber durchaus möglich.
Dir wird die Erfindung einer Gitarrenspieltechnik, des Tappings, nachgesagt. Wie ist das entstanden, und wann hast Du es das erste mal eingesetzt?
Ich hab diese Technik 1971 erfunden und das erste mal auf dem Genesis Album „Nursery Cryme“ aus dem gleichen Jahr eingesetzt. Ursprünglich habe ich die Technik entwickelt, damit ich Bach auf einer Saite spielen konnte.
In den Siebzigern haben Bands wie Genesis oder Yes einen Musikstil definiert, der später als Progressive Rock bezeichnet wurde. Mit dieser Musik habt ihr Stadien gefüllt. Nach der Punk Revolution wurde es etwas still um dieses Genre und diese Bands haben sich mit Popsongs erfolgreich über Wasser gehalten. Heute existiert progressive Musik in einer eigenen Nische weiter. Wie würdest Du die progressive Szene heute beschreiben im Vergleich zu den 70s? Kannst Du selbst Bands aus diesem Bereich empfehlen?
In den Siebzigern haben „progressive Musik“ nicht als Genre empfunden. Deshalb war alles etwas freier. Wir Lust gehabt hätten einen Popsong zu schreiben, hätten wir das auch tun können. Damals haben wir nicht realisiert, dass wir das Banner für ein Genre tragen würden. So gesehen sind die Grenzen heute etwas enger gesteckt. Jedoch gibt es aktuell einige sehr interessante Bands wie Muse und Mars Volta.
Während Deiner Live Konzerte gibt es immer wieder auch Genesis Songs zu hören. Ein Song der immer wieder von den Fans gefordert wird ist „Firth of Fith“ mit diesem wunderschönen Solo. Auf welches Musikstück bist Du selbst am meisten stolz?
Ich bin am ehesten auf ganze Alben stolz, wie „Selling England by the Pound“, „Spectral Mornings“, und „Out of the Tunnel's Mouth“.
Wenn man sich mit Dir über Deine Gitarren und Dein Equipment unterhalten würde, könnte man damit sicherlich Bücher füllen. Aber vielleicht kannst Du uns etwas über Dein aktuelles Live Set-Up erzählen?
Ich benutze Marshal Amps, Fernandez Gitarren, Yairi Nylon Gitarren und einen Sans Amp für die Verzerrung.
In unserer aktuellen Ausgabe geht es um Autos. Hast Du irgendeine besondere Beziehung zu Autos?
Ich träume immer von Autos als eine Metapher für Karriere. Ich fahre einen deutschen BMW, der nun schon über zehn Jahre alt ist und einfach nicht kaputt gehen will.
Hast Du eigentlich kürzlich auch Interviews gegeben, in denen Du nicht nach einem großen Genesis Revival gefragt wurdest?
Ja oft. Die Leute werden müde diese Frage zu stellen. Es ist wie die zweite Ankunft des Messias: Immer möglich aber derzeit unwahrscheinlich.
Interview: Markus Brixius Bild: Band
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