Saarländischer Bestseller-Autor ohne Starallüren
Dein neuester Geniestreich "Oneiros" handelt von Flüchen und Menschen, die nicht sterben können und deshalb vom Tod gejagt werden. Was hat dich zu der Thematik bewegt?
Im Grunde ein langweiliger Zombie-Film. Ich habe dabei mental abgeschaltet und meiner Kreativität freien Lauf gelassen. Zombies, dachte ich mir, sind arme Schweine, weil sie ewig leben könnten - aber leider schneller verwesen als laufen. Und da kam ich auf den Gedanken: Warum nicht einen der größten Wünsche der Menschheit, die Unsterblichkeit, ad absurdum führen, indem man NICHTS von der Unsterblichkeit hat? Und was, wenn es dazu noch an einen weiteren Fluch gekoppelt wäre, der eine Gefahr für die Umgebung ist? Die Rädchen drehten sich und es kam eines zum anderen.
Nein. Nicht unsterblich. Nur alt und gesund und dann einfach in Würde sterben. Das reicht mir schon. Unsterblichkeit macht keinen zu großen Spaß. Jedenfalls jammern die Vampire in den Romanen und Büchern ständig, dass sie so alt geworden sind. Außerdem wiederholt sich die Geschichte, wie ich als Historiker weiß, und manche Dinge braucht man nicht zweimal, ganz zu schweigen von dreimal.
Was sind deiner Meinung nach die größten Flüche der Menschheit?
Die irrige Annahme, dass ein Firmengewinn von 100 Millionen ein Minus ist, weil man im Jahr zuvor 121 Millionen Gewinn einfuhr. Alle wollen mehr, vom
Kleinanleger bis zum gierigsten Banker. Umdenken wäre schön. Gier – das ist wohl die Hauptursache vieler Flüche.
Erstellt du vor dem Schreiben zunächst ein Konzept oder schreibst du einfach drauf los?
Bei Kurzgeschichten erarbeite ich kein Konzept, aber bei Romanen oder Serien geschieht das schon. Sonst ginge es wild durcheinander; wenn dann noch Recherche notwendig ist, wie bei ONEIROS in Sachen Thanatologie, Neurochirurgie, Märchen, Edelsteine und ihre mystischen Eigenschaften, sowieso. Überblick und Struktur, das erleichtert mir das Schreiben ungemein. Aus einer kleinen Idee wird ein sogenannter Plot, ein Fahrplan, 6 bis 7 DinA4-Seiten Stichworte, was im Roman geschieht. Nachdem das Gerüst fertig ist, lege ich los. Ich weiß also vorher genau, wie es beginnt und wie es endet.
Welche Art von Texten würdest du nie schreiben und warum?
Mit Betriebsanleitungen würde ich mir schwer tun.
Du hast an der Uni Saarbrücken deinen Magisterabschluss gemacht. Welche Fächer hast du studiert?
Denkst du, dass sich das Studium in irgendeiner Form positiv auf das Schreiben ausgewirkt hat und empfandest du es als unkreativ? Ich habe Neuere Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Literaturwissenschaft studiert. Begonnen hatte ich mit einem Lehramtsstudium, also waren anfangs noch Alte Geschichte und Sprachwissenschaft dabei. Sprachwissenschaft fand ich am uninteressantesten, am spannendsten war tatsächlich das Geschichtsstudium. Da lauert dort jede Menge Inspiration für viele Romane, die nicht mal historisch sein müssen. Quellenstudium, Recherche, in Bibliotheken stöbern, der Geruch von alten Büchern– das mag ich! Aber das Zerpflücken von literarischen Texten unter Einhaltung vorgegebener Forschermeinungen ist öde. Das nervte mich schon in der Schule. Manchmal, und da bin ich mir sehr sicher, saß Goethe einfach nur rum und dichtete nach einer Flasche Wein oder ein paar Humpen Schwarzbier. Weil er es konnte, klang es super. Aber heute muss alles tiefschürfend sein. Daher mein Appell: Liebe Dichter der Gegenwart - schreibt JETZT zu euren Werken, wie ihr es gedacht habt. Danke.
Im Filmbiz geht es schneller zu als bei der Lichtgeschwindigkeit. Ein Telefonanruf und das sicher geglaubte Projekt ist tot. Ich könnte da nie als Produzent arbeiten und hätte entweder ganz viele Menschen schon umgebracht oder wäre verrückt geworden. Die AKTUELLEN (!) Planungen sehen pro Zwerge-Band 10 bis 12 Folgen à 45 Minuten vor, stark orientiert an der Verfilmung von Game of Thrones. Es ist eine deutsche Produktionsfirma federführend, Drehbeginn wäre
Mitte 2013, Ausstrahlung Mitte 2014. Ich bin vorsichtig optimistisch, rechne aber auch mit sofortigem Scheitern der Pläne. Aber selten waren die Zeichen besser als jetzt
.
Was ist dein größter Traum?
Um ehrlich zu sein - einfach nur mit meinen Büchern weiterhin genug zum Leben zu verdienen. Das ist die größte Freiheit, die ich mir vorstellen kann.
Interview: Kristina Scherer Bild: privat
Leseprobe des neuen Romans „ONEIROS“:
www.mahet.de/site/Leseprobe_Oneiros.102.0.html?&L=1
Mittelaltertage Saarbrücken, 17.-19. August Deutsch Französischer Garten
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