Oomph!

„Es gibt nichts Komischeres als Fans oder Bands, die sich zu ernst nehmen“

Foto OomphMit „Des Wahnsinns fette Beute“ ist soeben das mittlerweile elfte Album von Oomph! erschienen. Wie gewohnt erscheinen die drei feschen Wolfsburger Jungs auch dieses Mal in einem völlig anderen klanglichen Gewand, als man es von ihnen erwartet hätte.

Die klangliche Neuorientierung auf „Des Wahnsinns fette Beute“ hat viele Fans überrascht, vielleicht irritiert. Als erste Auskopplung habt ihr nicht etwa eines der gewaltigen Stücke „Such mich find mich“ oder „Die Geister, die ich rief“ mit Hitpotenzial gewählt, sondern das trashige „Zwei Schritte vor“ im 60er Jahre Stil. Wieso war euch dieser Song so wichtig?

Dero: Wir sind es gewohnt, dass unsere Fans von Album zu Album immer wieder überrascht sind von unserer Wandlungsfähigkeit und Experimentierfreude. Wer uns seit unserem ersten Album "Oomph!" von 1992 kennt, der weiß spätestens seit dem Nachfolger "Sperm", dass man bei OOMPH! immer das Unerwartete erwarten sollte. Das ist sicherlich der kommerziell gesehen waghalsigste Weg, den man als Musiker einschlagen kann. Denn wie wir alle nur zu gut wissen, sind leider viele Fans, egal ob und welcher Szene sie angehören, extrem konservativ, spießig, um nicht zu sagen reaktionär. Der geneigte Fan möchte bitteschön am Althergebrachten festhalten, wenn er sich denn erst einmal an eine Band gewöhnt hat. Nun, da ist er bei uns allerdings an der falschen Adresse, denn Gewohnheiten gibt es bei uns nicht.

Man begibt sich doch als Musiker bereits in Geiselhaft des Geschmacks seiner eigenen Fans, wenn man beginnt sich Gedanken darüber zu machen, was seine Fans über das neue Material denken könnten. Wenn man als Künstler frei und unabhängig bleiben will, dann muss es einem egal sein, ob man theoretisch Fans verlieren könnte, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Bei allem anderen Kalkül, der den potenziellen Fangeschmack miteinkalkuliert, macht man sich letztlich zum Auftagsarbeiter für seine Fans. Das ist in meinen Augen arm.

Leider fühlen sich viele Musikkonsumenten gebauchpinselt, wenn ihnen ihre Lieblingsband die Songs nach dem Mund produziert. Gerade diejenigen, die sich als ach so unabhängig empfinden, sowohl auf Band- als auch auf Fanseite, sind da meiner Erfahrung nach die stromlinienförmigsten und intolerantesten Gesellen überhaupt. Konservativer als die verdammte tea-party. Einfach nur widerlich! Aber auch einige Seiten der Medien tun sich schwer in dem krampfhaften Versuch, Bands einen Stempel aufzudrücken. Einfach nur köstlich. Vielleicht ist das was typisch Deutsches: Man muss halt alles in Schubladen stecken und beschriften. Wenn wir Deutschen was können, dann sicherlich das Normieren von Menschen und Dingen! *lol*

Wir haben bewusst "Zwei Schirtte vor" als erste Single gewählt, weil dieser Song perfekt zu unserer augenzwinkernden, selbstironischen Komponente passt, die wir mit dem neuem Album und dem dazugehörigen Fotoshooting album lostraten und mit dem ersten Videoclip fortführten. Wenn einige Fans nun verstört sind, weil sie ganz offensichtlich zum Lachen in den Keller gehen, dann kann ich damit bestens leben. Es gibt schließlich nichts ungewollt Komischeres, als Bands oder Fans, die sich selbst oder Bands zu ernst nehmen.
Umso erstaunter sind wir, wenn wir mitkriegen, dass es extrem hartnäckige Fans gibt, die uns bereits seit unserem ersten Album mögen...vielleicht ist das aber auch schon unter Altersstarrsinn zu verbuchen?!

Cover OomphFür das Artwork des neuen Albums „Des Wahnsinns fette Beute“ seid ihr in Frauenkleider geschlüpft. Was für eine Erfahrung war das? Seid ihr froh, nicht jeden Tag in High Heels rumlaufen zu müssen?

Wir haben sehr viel Erfahrung im Tragen von Frauenkleidern, denn wir twistern im Tourbus immer in Stockings, High Heels und Stringtanga gemeinsam mit unserer Crew. Demnach sind wir natürlich auch erprobt im Tragen von Stilettos.

„Der Tod ist ein Herzschlag entfernt“ behandelt ein ernstes Thema. Wart ihr dem Tod selbst schon einmal nahe?

Ich war dem Tod schon ein paar mal nahe, aber ich habe Glück gehabt. Über diese Tatsache bin ich sehr froh und dankbar.

Warum ist dieser Hammer-Song nur auf der Limited Edition zu finden?

Wir wollten uns bei den Fans, die sofort am ersten Tag der Veröffentlichung in den Laden rennen, mit zwei exklusiven Bonustracks bedanken. Wenn es sich hierbei um Ausschussmaterial gehandelt hätte, wäre das wohl keine Belohnung gewesen. Unsere Fans haben nur das Beste verdient, auch wenn es ihnen jetzt vielleicht noch etwas ungewohnt erscheint... ;-)

Was wird uns bei der anstehenden Oomph!-Tour erwarten?

Zwei zusätzliche Live-Musiker auf der Bühne und jede Menge geballte Oomph!-Power vom ersten bis zum letzten Song des fast zweistündigen Sets. Wir werden also in Zukunft zu siebt auf der Bühne stehen. Neben neuen Songs haben wir auch bewusst wieder ältere Stücke wie "Wunschkind", "Der neue Gott", "Mein Herz" und "Defekt" ins Programm aufgenommen, um nur einige zu nennen. Wir freuen uns schon sehr, diese und viele andere Songs unserer 23 jährigen Bandkarriere live zu präsentieren. Es ist immer eine extrem spannungsgeladene Party, die wir mit dem Publikum gemeinsam abfeiern...

Ihr seid sehr fanbezogen, veranstaltet etwa Treffen mit Fans oder beantwortet die Fragen an euch im Forum selbst. Was waren die bisherigen coolsten Erlebnisse mit euren Anhängern? Gab es auch schon negative Erfahrungen, etwa in Form von Stalking etc.?

Du willst wissen, ob und wie oft wir schon Sex mit unseren Fans hatten...? *lol* Der gut erzogene Musiker genießt und schweigt diesbezüglich selbstverständlich. ;-) Gestalkt wurde ich leider schon ein paar mal. Eine Erfahrung, die ich keinem Menschen wünsche...

Interview: Kristina Scherer Foto: Band

www.oomph.de
Dienstag, 9. Oktober 2012 Garage Saarbrücken, Einlass 20.00 Uhr

OOMPH! – Unzerstörbar

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