Revolution
Euer neues Album trägt den Titel "Revolution". Inwiefern ist es revolutionär?
Nebst verschiedenen musikalischen Komponenten und der Tatsache, dass wir zum ersten Mal mit Gastmusikern wie Mille Petrozza von KREATOR oder Stefan Schwarzmann von ACCEPT zusammengearbeitet haben, findet die Revolution hauptsächlich in den Texten statt. Hier geht es weniger um eine politische Revolution, sondern vielmehr um eine emotionale, eine gesellschaftliche. Unsere Gesellschaft wird geprägt vom Schein, von Oberflächlichkeiten und einer Konsumgier, die weit über die Grenzen des gesunden Maßes hinausgeht. Es ist nichts gegen tolle technische Errungenschaften einzuwenden, wenn diese aber das Denken und Fühlen bestimmen, wenn wir uns etwa mehr mit unserer Selbstdarstellung auf Facebook als mit der Entwicklung unserer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen, dann stimmt etwas nicht mehr. Natürlich weiß ich, dass sich am 07. September nicht die Welt ändern wird. Aber eine Revolution beginnt oft im Kleinen und wenn der geneigte Höherer ein paar Gedanken dieser CD verinnerlicht und umsetzt, dann hat dieses Album schon etwas Gutes bewirkt.
In welchen Lebensbereichen würdest du dir eine Revolution wünschen?
Da gibt es viele. Dass ein Computerhersteller zur neuen Religion wird, der Produkte mit einer Halbwertszeit von maximal zwei Jahren herstellt, für die der Kunde wieder und wieder teuer bezahlen muss, sollte bereits alarmieren. Tut es aber nicht. Wie gesagt, das sind ja alles tolle Produkte, nur messen wir ihnen zuviel Gewicht bei, wie auch dem Flachbildfernseher, den Gucci-Schuhen oder dem Urlaub auf Barbados. Alles gut und recht, aber wo bleibt der Mensch, wo bleibt die Wahrnehmung der Bedürfnisse unserer Seele, unserer selbst, die wir versuchen mit dem Flachbildfernseher zu stillen, nur um zu merken, dass das Loch nicht gestopft ist, weil der Nachbar jetzt eine größere Bilddiagonale hat.
Inwiefern hat sich die Schwarze Szene deiner Ansicht nach in den letzten 10 Jahren verändert?
Wie in jeder Szene oder Bewegung bringt die Zeit Veränderung mit sich, die entweder in Verwässerung oder in etwas Neuem mündet. Sei dies eine politische Partei, die über die Jahre kaum noch an ihren Werten zu erkennen ist, sei dies eine architektonische Richtung, die von anderen Einflüssen entartet wird oder eben eine Musikszene, die über die Jahre ihre Ideale abgeworfen hat. Das kann jeweils zu guten Entwicklungen und etwas ganz Besonderem führen, kann sich aber auch irgendwo auf dem Weg verlieren. Da die Szene seit einiger Zeit nahezu unmerklich kommerziell unterwandert wird, befürchte ich leider Letzteres.
Interview: Kristina Scherer
Garage, Saarbrücken, Donnerstag, 11. Oktober, ab 19 Uhr
www.lacrimosa.ch

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen