Healings
Soundscapes meet Songwriting. Sphärische Gitarren, minimalistische Elektronik, Apache Beat unter angezerrter Bassgitarre und darüber prägnante Metaphern im Bariton. The Wars lassen die New Wave der frühen 80er und den German Prog Rock der 70er im zeitgmäßen Gewand wieder aufleben. „The Wars“ ist sicherlich ein schmissiger Bandname, aber gleichzeitig natürlich ein negativ behafteter Begriff. Wahrscheinlich der negativste Begriff überhaupt. Wie kam es zu dem Namen?
Chris: Sieh dir an was in einer augenscheinlich geordneten und friedlichen Welt für ein Wahnsinn passiert, dem wir inzwischen routiniert mit alltäglicher Gleichmut begegnen. Es gilt ja in allen Bereichen als chic und selbstverständlich so profitabel und kompromisslos wie möglich zu agieren. Wenige ruinieren auf Kosten sehr Vieler unsere Lebensgrundlage sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht. Ich würde das durchaus als kriegsähnlichen Zustand bewerten, wenn auch maskiert mit diversen Deckmänteln.
Chris: Das liegt im Auge des Betrachters. Für uns war der Film als eine Art galaktischer Road-Movie, eine Reise in den Ursprung des Universums gedacht. Die anfängliche Spannung zwischen den Beiden weicht mit jeder Begegnung die ihnen widerfährt einer gewissen Harmonie untereinander. Alle Figuren im Video erfahren die Möglichkeit der Veränderung - der Grundvoraussetzung für Heilung. Allerdings ist das nur ein Aspekt des Films unter vielen.
Felix: Im Healings- Video geht es um Wiedergeburt. Die beiden Mädchen beamen sich auf die Erde und liefern Denkanstösse. Das ist alles sehr wage gehalten, um noch viel Spiel für eigene Interpretationen zu lassen.
Chris: In einer von Zynik und Gier geprägten Zeit, in der das Wort "Humankapital" zunehmend wichtiger erscheint als das Wort "Humanismus" sollte man als Musiker durchaus darauf reagieren. Mir erscheinen aus stilistischer Sicht New Wave, Punk oder Psychdelia dafür durchaus geeignet. Wir fühlen das auch so. Unsere Wut und musikalischen Vorlieben harmonieren da sehr gut.
Felix: Uns gefällt die Musik, allerdings tragen die Stücke ein sehr modernes Gewand. Die Texte beschäftigen sich allesamt mit dem heutigen Zeitgeschehen, sind also keineswegs aus den 80’s.
Auch sie drücken eine Art von Protest aus, zu Themen die uns Beschäftigen und uns alle betreffen.
Mit der aktuellen Scheibe habt ihr wirklich einen ziemlichen Burner hingelegt und wurdet vom Zillo-Magazin sogar als Newcomer des Jahres geadelt. Beim nächsten Album steht ihr also unter besonderer Beobachtung. Gut oder schlecht?
Felix: Vielen Dank für das Kompliment! Ja, wir sind sehr stolz auf diese Platte. Allerdings werden wir auch in Zukunft diesen Standard halten, da mache ich mir keine Sorgen. Besondere Beobachtung ist da nur erwünscht!
Chris: Eher gut. Aufmerksamkeit kann ja schließlich ein großartiges Geschenk sein und wir werden sowieso immer das machen was wir für richtig erachten, weil wir anders nicht funktionieren können. Die Berichterstattung des Zillos und vieler andere Publikationen empfanden wir als äußerst fair und sauber. Wir nehmen allerdings nicht alles, was so geschrieben wird, zu ernst. Man merkt bei gewissen Artikeln schon den Unterschied zwischen Kompetenz und Desorientierung - zwischen Substanz und Attitüde. Übrigens ist Letzteres u.A. ein Thema unseres Nächsten.
Interview: Markus Brixius Bild: Oblivion / SPV
Bereits erschienen Oblivion / SPV
www.thewars.net
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen